84018 x angesehen
Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail
Berliner Reichstag als Panoramafoto

Berliner Reichstag als Panoramafoto

Deutsche Bundeskanzler (seit 1945)

Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz verabschiedet, das an diesem Tag zugleich auch in Kraft getreten ist. Mit dieser Verkündung beginnt zugleich die Entstehung der Bundesrepublik Deutschland. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurden die Gebiete Deutschlands in Besatzungszonen aufgeteilt. Mit der Zustimmung der Alliierten Siegermächte USA, Frankreichs und des Vereinigten Königreichs wurde das demokratische Deutschland aus der Taufe gehoben, wobei dieses bekanntermaßen lediglich für den westlichen Teil der Republik seine Gültigkeit gefunden hatte.

Seit dieser Zeit zeichneten sich bis zum heutigen Tage acht Deutsche Bundeskanzler für die Geschicke der Bundesrepublik Deutschland verantwortlich, denn gemäß des Grundgesetztes bestimmt der Bundeskanzler die Richtlinien der Politik und trägt dafür auch letztlich die Verantwortung. Alle Bundeskanzler wurden durch die großen Volksparteien CDU und SPD gestellt, wobei sie zum einen mit ihrer Partei alleine oder aber in verschiedenen Koalitionen regieren konnten.

Die Wahl des Bundeskanzlers  (der Bundeskanzlerin)

Deutsche Bundeskanzler werden aufgrund der festgelegten Inhalte gemäß des Artikels 63 des Grundgesetzes (GG) gewählt. In Absprache mit den in den Bundestag gewählten Parteien besitzt der Bundespräsident ein so genanntes Vorschlagsrecht. Eine Aussprache über entsprechende Personen ist nicht erforderlich. Der Kandidat muss dazu auch nicht dem Bundestag angehören, wobei jedoch in der gesamten Zeit seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland jeder künftige Bundeskanzler auch im Parlament vertreten war.

Das Grundgesetz sieht es vor, dass der Kandidat (die Kandidatin) die absolute Mehrheit der Stimmen des Bundestages auf sich vereinigen wird. (50% der Stimmen plus 1, so genannte Kanzlermehrheit). Scheitert dieses Vorhaben, so erfolgt binnen 14 Tagen eine zweite Wahlfase, zu der auch mögliche andere Personen zur Wahl stehen. Erreicht auch hier keiner der Kandidaten die erforderliche Mehrheit, so entscheidet in der dritten Wahlphase die relative Mehrheit der Stimmen des Deutschen Bundestages über den neuen (die Neue) Bundeskanzler/in. Im Anschluss erfolgt die Ernennung durch den Bundespräsidenten.

Die Liste der Deutschen Bundskanzler

Die Deutsche Bundeskanzler Liste nimmt sich mit aktuell acht Personen im Vergleich zu anderen Europäischen Nationen eher bescheiden an. Dieses ist durchaus als Beleg für Kontinuität zu verstehen, mit der sich in den meisten Fällen auch die Wähler identifizieren konnten. Grundsätzlich wird hierzulande alle vier Jahre ein neues Parlament  gewählt, wobei es auch Ausnahmen gegeben hat. (Konstruktives Misstrauensvotum, Beendigung von Koalitionen). Deutsche Bundeskanzler regierten demnach in unterschiedlich langen Perioden, wobei zu jeder Amtszeit der verschiedenen Kanzler Situationen zu bewältigen waren, in denen herausragende Ereignisse und Herausforderungen überstanden werden mussten. Im Folgenden nun die Deutsche Bundeskanzler Liste sowie deren Amtsdauer

Liste Deutsche Bundeskanzler/in
Name Partei Amtszeit
Konrad Adenauer CDU 1949 – 1963
Ludwig Erhard CDU 1963 – 1966
Kurt Georg Kiesinger CDU 1966 – 1969
Willy Brandt SPD 1969 – 1974
Helmut Schmidt SPD 1974 – 1982
Helmut Kohl CDU 1982 – 1998
Gerhard Schröder SPD 1998 – 2005
Angela Merkel CDU 2005 – aktuell

Lediglich Konrad Adenauer gelang es, in den Jahren von 1960 bis 1961 alleine zu regieren, denn seine Partei, die CDU, verfügte während dieser Zeit übe die absolute Mehrheit, so dass keine anderweitigen Parteien als Regierungspartner benötigt worden sind. In allen anderen Fällen wurden große Koalitionen (SPD/CDU), Rot/Grün (SPD und Grüne), schwarz/gelb (CDU/FDP) oder eine sozialliberale Koalition (SPD/FDP) gebildet, um die erforderlichen Mehrheiten im Parlament zu garantieren.

Die Regierung unter Konrad Adenauer und Ludwig Erhard

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Konrad Adenauer der erste Deutsche Bundeskanzler

der noch jungen Bundesrepublik Deutschland und zwar mit einer einzigen Stimme Vorsprung. Gefragt, welche Stimme denn wohl den Ausschlag gegeben hätte antwortete der gewiefte Taktiker: „Meine eigene“. In die Ära des “Alten“, wie Adenauer liebevoll und ehrfurchtsvoll genannt wurde, fielen zahlreiche und weit reichende außenpolitische Entscheidungen. So vereinbarte er im so genannten Pariser Vertrag die Regelung und Beziehungen zu den Besatzungsmächten und forcierte die langfristige Stationierung amerikanischer Streitkräfte auf deutschem Boden als ein wichtiges Sicherheitselement. Seinen wohl größten Erfolg konnte er mit dem Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrag verbuchen, der die Aussöhnung mit Frankreich zum Inhalt hatte.

Der Nachfolger Adenauers, Ludwig Erhard, zählt als Erfinder der freien Marktwirtschaft. Trotz dieses Erfolges galt er seit Beginn seiner Amtsperiode lediglich als Übergangslösung für das Kanzleramt, wobei ihm zudem Führungsschwäche und Durchsetzungsunfähigkeit nachgesagt worden sind. Nach einer Auseinandersetzung um die Bundesfinanzen und die Steuererhöhung zogen sich die vier FDP Minister aus der Regierungsverantwortung zurück und ließen die Koalition platzen.  Zudem kühlte das gerade aufgebaute freundschaftliche Verhältnis zu Frankreich merklich ab, da Erhard die Beziehungen zu den USA gegenüber den Franzosen einen erheblichen Vorrang einräumte. Dennoch hat Erhard sicherlich berechtigt seinen Platz auf die Deutsche Bundeskanzler Liste gefunden.

Die kurze Amtszeit von Kurt Georg Kiesinger

Nachdem Erhard in seiner Partei trotz seiner unbestrittenen wirtschaftlichen Kenntnisse gescheitert war, wurde Kiesinger von seiner CDU zum Kanzlerkandidaten gekürt und ging nach seiner Wahl eine große Koalition mit der SPD ein. Unter seinem Regime konnten wichtige innenpolitische Vorgaben in die Tat umgesetzt werden, wie beispielhaft die Lohnfortsetzung im Krankheitsfall, das Stabilitätsgesetz oder auch die Schaffung von Gemeinschaftsaufgaben. Einen faden Beigeschmack hatte diese Regierung jedoch auch, da sowohl Kiesinger als auch Karl Schiller (Wirtschaftsminister) sowie Franz Josef Strauß (Finanzminister) Mitglieder bzw. Offizier in der NSDAP gewesen waren. Über Herbert Wehner wurde zudem bekannt, dass er ein führendes Mitglied der KPD gewesen war.

Die Ära Willy Brandt und Helmut Schmidt

In den Jahren von 1969 bis 1982 gelangten zwei Sozialdemokraten auf die Deutsche Bundeskanzler Liste. Der Deutsche Bundeskanzler Willy Brandt führte eine sozial – liberale Koalition an und konnte sich dabei gegen seine Parteigenossen Helmut Schmidt und Herbert Wehner durchsetzen, die für die Fortsetzung einer große Koalition votiert hatten. Die Ära Brandt ist vor allem durch die so genannte „Neue Ostpolitik der kleinen Schritte“ gekennzeichnet. Der wohl berühmteste Kniefall aller Zeiten im Jahre 1970 am Mahnmal des Ghetto Aufstandes in Warschau leitete in symbolischer Form die nun folgende Entspannungspolitik ein, die als Folge daraus die Ostverträge mit der Sowjetunion und Polen beinhaltete. Auch die schwierige Beziehung zur damaligen DDR wurde aufgeweicht. Brandt wurde dafür mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Auf die Deutsche Bundeskanzler Liste schaffte nach dem Rücktritt von Willy Brandt es auch sein Nachfolger Helmut Schmidt. Die größten Herausforderungen während seiner Amtszeit waren sicherlich die weltweiten wirtschaftlichen Rezessionen, gipfelnd in der Ölkrise 1973, der Terror der Roten Armee Fraktion(RAF), der das gesamte Land erschütterte (Entführung Peter Lorenz, Entführung und Ermordung Hanns Martin Schleyer). Daneben befürwortete er das atomare Gleichgewicht von USA und der Sowjetunion und sprach sich eindeutig für die Stationierung der von US Raketen auf deutschem Boden. (Natodoppelbeschluss). Dieses war letztlich ausschlaggebend, dass sich der Koalitionspartner FDP aus der Regierung zurückzog und Schmidt durch ein konstruktives Misstrauensvotum gestürzt wurde.

Helmut Kohl

Helmut Kohl

16 Jahre Helmut Kohl

Als Nachfolger von Helmut Schmidt wurde Helmut Kohl (CDU) gewählt, der mit 16 Jahren die bislang längste Amtsperiode aller Deutsche Bundeskanzler innehatte. In seinen frühen Jahren erneuerte er die Freundschaft mit Frankreich und sorgte mit einem minutenlang andauernden Händedruck seines französischen Freundes Mitterrand am Ort der Schlacht um Verdun für ein symbolträchtiges und zugleich Aufsehen erregendes Szenario. Auch die freundschaftliche Beziehung zu Englands Regierungschefin Thatcher sowie zu dem amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan sorgte für weltweite Anerkennung seiner Person.

Doch auch schwarze Momente, wie beispielhaft die Flick Affäre, bei der es um illegale finanzielle Transaktionen (Parteispenden) zur CDU ging, beeinträchtigen offenbar sein Ansehen in der Bevölkerung kaum. Als Höhepunkt seiner Amtszeit dürfte jedoch die Wiedervereinigung Deutschlands und der DDR anzusehen sein. Auch wenn dieses unter großem Einfluss des damaligen Kreml Chefs Gorbatschow und des US Präsidenten erst zu dem bekannten Erfolg führt, so darf Kohl es sich auf seine Fahnen schreiben, als „Kanzler der Einheit“ in die Geschichte eingegangen zu sein.

Angela Merkel

Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Als erste Frau in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland schaffte es mit Angela Merkel eine Frau auf die Deutsche Bundeskanzler Liste. Seit 2005 bestimmt sie als Kanzlerin die Richtlinien der

Politik und die Geschicke Deutschlands. Sie stand in der Zeit von 2005 bis 2009 einer großen Koalition, im Anschluss bis 2013 einer Koalition mit der FDP vor. Aktuell dürfte erneut eine große Koalition mit der SPD anstehen. In ihre Amtsperioden fielen Finanz – und Eurokrise, aus der sie durch Maßnahmen wie Garantieerklärung für Spareinlagen und Einlagensicherung sowie die maßgebliche Befürwortung der Rettungsschirme geschwächter EU Staaten wie Irland, Spanien und Portugal gestärkt hervorging.

Ihr wird jedoch eine gewisse, hemmende Entscheidungsfähigkeit nachgesagt, obwohl dieses ihrer Beleibtheit in der deutschen Bevölkerung keinesfalls geschadet hat. Einen weiteren, herausragenden Entschluss wurde unter ihrer Führung bezüglich der Energiewende gefasst. Nach der atomaren Katastrophe von Fukushima wurde entschieden, dass im weiteren verlauf in Deutschland die Atomkraft keine Zukunft mehr haben wird, sondern vielmehr auf regenerative Energien zurückgegriffen wird. Der Atomausstieg in Deutschland war damit besiegelt. Aber auch die NSA Affäre ist aktuell ein Kernpunkt, der in die Amtszeit der Kanzlerin fällt. Zunächst wurde die vermeintlichen Datenerfassungen durch den amerikanischen Geheimdienst heruntergespielt, bis dieses dann in der vermeintlichen Abhöraktion des Handys der Bundeskanzlerin gipfelte.

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Written by Stefan

1 Comment

Kat

Da fehlt Schröder mit einer Beschreibung zu seiner Person. Wieso folgt denn Merkel auf Kohl?
Und der Text zu Merkel klingt so als habe sie die Energiewende gewollt und eingeleitet – das stimmt definitiv nicht.

Comments are closed.